Politische Dokumentationen mit Aufklärungscharakter im Trend
Köln/Cannes, 26. April 2011 – Aufgrund der Atomkatastrophe in Japan herrschte auf der MIPTV 2011 eine große Nachfrage nach umweltkritischen und weltpolitisch interessanten Programmen. Im Fokus des Interesses der internationalen TV-Einkäufer standen Dokumentationen, die globale Zusammenhänge kritisch beleuchten und der Verbraucheraufklärung dienen. Messe-Highlights der united docs waren die drei Dokumentationen „Schick aber schädlich – Kleidung, die krank macht“ 52’, „Asbest – Ein Schadstoff kehrt zurück“ 52’ und „Das Klonschnitzel – Was künftig auf unseren Tellern landet“ 45’. Neben den Current Affairs Programmen punktete united docs in Cannes mit ihren neusten Geschichtsdokumentationen. Diverse Programmpakete sind nach Spanien, Portugal, Italien, Schweden, Kroatien, Belgien, Finnland und Österreich verkauft worden. Mehrere Länder sicherten sich die Lizenzen an der Wissenschaftsreihe „Biomimikry – Natürlich genial!“ (4x52’), die technische ressourcenschonende Innovationen vorstellt, die auf den Prinzipien der Natur basieren.
„Die Fernsehzuschauer sind kritischer geworden. Sie wünschen sich mehr fundierte Informationen und politische Transparenz – und das weltweit. Besonders bei Umwelt- und Verbraucherthemen hat ein Bewusstseinswandel stattgefunden,“ stellt Anne Hufnagel, Head of united docs Cologne, fest. „Journalistische Dokumentationen über internationale Verflechtungen, Missstände oder aktuelle Ereignisse, die die Lebensqualität des Menschen beeinträchtigen, werden immer wichtiger .“
Die Dokumentation „Schick aber schädlich – Kleidung, die krank macht“ 52’ geht auf die Spurensuche nach bedenklichen Chemikalien in Textilien und Schuhen. Ein Großteil der in Europa verkauften Kleidung kommt aus Asien – versetzt mit Substanzen, die hier tabu sind. Gifte wie Chrom, Azofarben oder Chlorgas, die sich über Jahre im Körper anreichern, können Allergien, Nervenkrankheiten und sogar Krebs verursachen. Auch die Textilproduktion fordert Opfer. Immer wieder sterben Arbeiter in asiatischen Gerbereien oder Fabriken.
Die filmische Recherche „Asbest – Ein Schadstoff kehrt zurück“ 52’ führt von Kanada über China bis nach Europa. Obwohl das tödliche Mineral hierzulande seit mehr als einem Jahrzehnt verboten ist, gibt es eine Ausnahmegenehmigung für den Import und Handel von kanadischem Asbest. Auch China verwendet Asbest noch immer in Produkten wie Thermoskannen und Dichtungsringen, die u.a. nach Europa exportiert werden. Die krebserregende Faser führt beim Menschen zu Asbestose, eine mögliche Ursache für Lungenkrebs. Weltweit fordert die Staublungenkrankheit jährlich mehr als hunderttausend Opfer. Die Dokumentation hinterfragt das Genehmigungsverfahren und die Möglichkeiten des Verbraucherschutzes.
„Das Klonschnitzel – Was künftig auf unseren Tellern landet“ 45’ geht der brandaktuellen Frage nach, ob sich das transatlantische Geschäft mit Klonkälbern und Klonfleisch überhaupt kontrollieren lässt. Im Gegensatz zu Europa, wo bisher nur zu Forschungszwecken geklont werden darf, ist es in Nord- und Süd- Amerika für die Zucht von Lebensmitteln erlaubt. Der Handel mit Samen der Superzuchtbullen ist längst global: USA und Südamerika verkaufen die Samen der Klone weltweit. Im internationalen Fleischhandel ist es unmöglich, geklonte Tiere auf ein Land oder einen Kontinent zu beschränken – zumal sie nicht gekennzeichnet sind. Viele Nachkommen US-Amerikanischer Klonrinder sind auf den argentinischen und brasilianischen Märkten zu finden. Beim Import nach Europa können auch Experten nicht feststellen, ob das Fleisch aus Südamerika von Nachkommen geklonter Tiere stammt. Noch ist Fleisch von geklonten Tieren in Europa nicht offiziell im Handel. Doch der Druck aus den USA ist stark, Klonfleisch auch im europäischen Binnenmarkt zu erlauben. Eine Sitzung des Vermittlungsausschusses zwischen Parlament und EUKommission zu dieser Frage endete mit einem Eklat. Franzosen, Österreicher und Deutsche lehnen genmanipulierte Nahrungsmittel grundsätzlich ab. Fragt sich, wie sich die Europäische Union sich einigt...

